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Wir schreiben das Jahr unseres Herrn 1155. Die christliche Welt so wie man sie kannte, war in Aufruhr.
In diese Welt wurde Michael als zweiter Sohn und viertes Kind mit zwei Schwestern
des Murharter Stadtadels Eugen und Dolores geboren.
Seine Eltern, die im Herrschaftsgebiet der Hessonen ansiedelten und ein bescheidenes Lehen bewirtschafteten, konnten ihren Kindern kein Leben in Glanz und Überfluss bieten, obwohl Murhart und das Kloster zu dieser Zeit durch den Murharter Pfennig einen regen Handel zu verzeichnen hatte.
Anno Domini 1162 schickte man Michael mit sieben Jahren zum Grafen Bertold von Beilstein, dem Sohn Bertold von Wolfsölden-Schauenburg, wo er seine Erziehung als Page begann.
14-jährig erlernte er in der Zeit seiner Knappenschaft das höfische Leben und das Handwerk des Krieges, das er 17-jährig mit dem Erhalt der Schwertleite beherrschte.
Da im Jahr 1173 der Schnee bis Mitte Mai lag und das Land anschließend unter einer außergewöhnlichen Dürre litt, stand das Leben von Michael an einem Wendepunkt.
Bertold von Beilstein konnte kein freies Lehen an Michael vergeben und da er von Familie laut Erbfolge zuhause nichts zu erwarten hatte, trat er in die Dienste Bertolds ein, um seine Kampfkunst zu vervollkommnen und sich ein Auskommen zu schaffen.
Nach drei Jahren ohne Sold brach Michael im Streit mit Bertold, wonach dieser ihn aus seinen Diensten verjagte.
So entschloss er sich a.D. 1176, zurück nach Murhart zu seinem Bruder zu gehen. Doch auch der hatte mit den Widrigkeiten seiner Zeit zu kämpfen und konnte Michael nicht weiterhelfen.
Zu dieser Zeit lernte Michael die liebreizende Tochter Raphaela des Hausmeiers Walter vom Gänshof kennen, mit der er sich bald vermählte. Schon binnen Kurzem kam als Ernte
ihrer Liebe das Töchterchen Leonie zur Welt.
Doch die Verhältnisse wendeten sich für Michael weiterhin nicht zum Guten. Ohne Lehen, ohne Land und ohne Sold war es mühsam, für Weib und Kind zu sorgen. Ärmlich und von der Welt enttäuscht suchte Michael Trost im Glauben.
Im Frühjahr 1179, getrieben von der Aussichtslosigkeit der Lebensumstände seiner Familie, entschloss sich Michael nach tiefensinnigen Gesprächen mit dem Murharter Abt Herbort zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Er wollte dort Hilfe und Beistand bei Gott suchen und für das Überleben seiner Familie bitten. Weib und Kind übergab er der Obhut seines Bruders und verließ sie unter bitteren Tränen.
Über den Jacobsweg durch Murhart, Ulm, Le Puy und der Camino Francés betrat Michael im Herbst 1179 die Kathedrale von Santiago de Compostela.
Dies war für ihn ein Moment der Glückseligkeit und Ehrfurcht und er fühlte sich mit der Welt im Reinen.
Seine Pilgerreise führte ihn nicht nur zu diesem ganz besonderen Ort, sie führte ihn vor allem zu sich selbst.
Durch den Kontakt in den Konventen entlang der Pilgerstraße, in Hospitälern sowie zum Ritterorden der Templer bekam Michael schnell Einblick in das Leben eines Pilgers in Waffen.
Angetrieben durch eine mitreißende Rede von Bischof Philipp von Dreux aus Beauvais erkannte Michael, das von nun an seine einzige Mission darin bestand, das Kreuz zu nehmen, um die Heiligen Stätten von den Ungläubigen zu befreien.
Da Michael frei von Lehensbindungen war, schloss er sich schon bald der Komturey des Ordens der Armen Ritterschaft Christi des salomonischen Tempels zu Jerusalem in Miravet im Lande Aragon-Katalonien als Sergeant an. Die Hauptaufgabe der Festung war es, die Pilger auf dem Jacobsweg sowie die von den Mauren zurückeroberten Gebiete zu schützen. Dazu gehörte es auch, die Festung und Plätze gegen die Sarazenen zu verteidigen.
Er erkannte schon bald, dass der Ritterorden der Templer genau dies verkörperte, worin er nun seine Berufung sah: dem Erlöser mit seinem Schwert, seinem Glauben und seinem Mut zu dienen.
Die Nachricht anno Domini 1187 von der Vernichtung des christlichen Heeres bei Hattin durch Saladin sowie die nachfolgende sarazenische Eroberung Jerusalems und großer Teile Palästinas führte zu einem großen Wehklagen im Okzident.
Der Erlass der Bulle »Audita tremendi« im Oktober 1187 durch Papst Gregor VIII führte dazu, dass sich eine Abordnung der Ordensritter unter der Führung des Komtur von Mivaret, Ramon Bernat dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa anschloss, um auf dem dritten Kreuzzug die Waffenbrüder im Orient zu unterstützen. Frey Michael zog mit diesem Heerzug mit.
Das 12. Jahrhundert war in und um Murhart geprägt von vielen Ereignissen:
- 1116 Stiftet der Markgraf von Baden ein Augustinerchorherren-Stift in Backnang.
- Ab 1131 verliert das Murharter Kloster als Grablege für die Vögte, die Herren aus Wolfsölden, an Bedeutung.
- 1156 Abt Heinrich aus Murhart ist in der Weiheurkunde für den Neubau des Haller Münsters Zeuge.
- Um 1180 entsteht die Fälschung der Murharter Stiftungsurkunde mit dem Recht zur freien Vogtwahl durch die Mönche des Murharter Konvents.
- 1182 geht das verschuldete Dorf Kirchenkirnberg durch eine Schenkung von Abt Herbort und des Murharter Konvents an die Prämonstrantenserbrüder in Adelberg.
- 1191 befinden sich der Murharter Abt und der Graf der Murharter Markung auf dem dritten Kreuzzug.
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