Wappen Johanna von Rauenspurg

Johanna von Rauenspurg ward geboren in Suaben im Jahre unseres Herrn 1455 als erste Tochter von zweyn des Kaufmanns Sieghard von Rauenspurg. Ihr Vater, ein wohlhabender Tuchhändler, hätt hohen Stand in seyner Zunft und ward hernach zu Rauenspurg ein ehrbarer Mann. Doch blieb ihm verwehrt einen Sohn zu haben und so sollt Johanna ihm nachfolgen und als älteste Tochter dereinst den Kontor ihres Vaters führen. Dass ein Weibsbild selbst Geschäfte treiben konnt, hätt er bereits zu Colonia gesehen und obwohl alteingesessener Kaufmann, so war er doch auch ein Freygeist und nicht verschlossen dem Neuen.

Sie erhielt, was nicht oft gesehen, ein gute Lehr und mannigfalt Wissen im Zisterzienserkloster zu Wald und als Mündel der Äbtissin Anna von Reischach von Reichenstein-Linz. So konnt sie alsbald ihrem Vater bei seynen Geschäften zur Hand gehen. Im Alter von 10 Lenzen nach Colonia zur Lehr geschicket, ob der Unterweisung im Handwerk der Seidweber, ward ihr nach ihrer Heimkehr anvertraut der väterliche Kontor, in Zeiten, da selbiger auf Reisen war.

Im Jahre des Herrn 1473 ward in Trier ein Treffen der hohen Herren anberaumt, namentlich unser Kaiser Friedrich III. nebst dem Herzog Karl von Burgund, auch der Kühne genannt, und Johannas Vater ob dem versammelten Adel versprach sich dort einen gar trefflich Handel. So waren doch besonders die eytlen Burgunder, ihnen voran der Herzog höchstselbst, für ihre Liebe zu prächtigen Stoffen bekannt. Ob der zahlreichen Geschäfte, die sich dort boten, sollt dieses Mal Johanna nicht im Kontor bleiben, sondern mit ihrem Vater ziehen und ihm wo nötig zur Hand gehen.

Im güldenen October, da die Festlichkeiten bereits begonnen, trafen auch die Rauenspurger zu Trier ein. Während sich die hohen Herren besprachen, ward für das Gefolge allerley Kurzweyl geboten und wie Sieghard gedacht, ward auch viel Zeit zum Handel gegeben. Etliche Marck waren verdient als sich Konrad von Orngau, darselbst Ministeriale derer zu Hohenloch, auf der Suche nach feinem Tuch am Stand derer von Rauenspurg einfand. Sieghard selbst tat das Feilschen und man war sich alsbald einig. Derweil hätt Johanna hinter dem Stand neue Ballen hergerichtet und ward gerufen durch ihren Vater, nun die soeben verkauften Tuche zu schnüren. Während sie so ihre Arbeit tat, waren alsbald ein paar Worte gewechselt und sogleich war man sich zugetan. Ob des Unterschieds im Stande ward alle Hoffnung jedoch schnell wieder abgetan. Doch keimte sie erneut, als Konrad die nächsten Tage abermals erschien und fürwahr schon offenkundig unter vorgeschobenem Grund das Gespräch mit ihr suchte. Ihrem Vater ward die Zuneigung nicht verborgen geblieben und ob der Möglichkeit, die sich da bot, sprach er den jungen Edlen an. Seyne Tochter hätt fortan ein sichres Leben bei einem Mann von Stand, der zudem ein gutes Stück Land seyn Eigen nennen konnt. Er selbst könnt als Vater der Braut Konrad eine ansehnliche Mitgift in Aussicht stellen und seyne zweite Tochter könnt ebenso den Kontor weiterführen. Hernach bot er ihm die Verlobung mit seyner Tochter an und Konrad bat um etwas Zeit, müsse er doch seyne Herren um Einverständnis ersuchen. Schließlich, da diese zugestimmt, willigte auch Konrad in diese Verbindung ein. Und schon im nächsten Frühjahr ward eine prächtige Hochzeit zu Öringen gefeiert.

Da Konrad bereits im Freyen Bund der Löwen stand, folgte sie ihm an seyner Seite als angetrautes Weib in diesen nach und ward nach einem Annum selbst in dessen Mitten aufgenommen.

Nun schreibt man das Jahr 1475 und Johanna führt an der Seite ihres Gemahls ein zufriedenes Leben im Haushalt und ist ebenso treu dem Freyen Bund der Löwenritter.

Johanna von Rauenspurg
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